Zum Inhalt springen

Grammatik · C1

Wortbildung: Stadtklima, entsiegeln, Machbarkeit

Das Deutsche baut lange Wörter aus kurzen Teilen, die du schon kennst. Wenn du weißt, wie Komposita, Präfixe und Suffixe funktionieren, kannst du die meisten neuen Wörter erraten: Stadtklima, entsiegeln, Machbarkeit.

Komposita: Der letzte Teil entscheidet

Im Deutschen werden Wörter zu einem Wort verbunden: die Stadt + das Klima → das Stadtklima. Der letzte Teil entscheidet zwei Dinge: was das Wort bedeutet und welchen Artikel es hat. Das Stadtklima ist eine Art Klima, darum ist es neutral wie das Klima. Der Arbeitsplatz ist ein Platz, die Arbeitszeit ist eine Zeit. Lies ein langes Wort also von hinten: Das Langzeitgedächtnis ist ein Gedächtnis, das etwas lange behält.

Zwischen den Teilen steht oft ein Fugenlaut. Er bedeutet nichts, er macht das Wort nur leichter auszusprechen. Nach -ung, -heit, -keit, -schaft, -ion und -tät steht immer ein s: die Wohnungstür, die Universitätsbibliothek. Feminine Nomen auf -e bekommen oft ein n (die Straßenbahn), Nomen wie der Student ein en (der Studentenausweis), und manchmal fällt das -e einfach weg: die Sprache → der Sprachkurs.

Viele Komposita haben gar keinen Fugenlaut (das Stadtklima, der Fahrradweg), den Rest lernst du mit dem Wort. Die gute Nachricht: Der Fugenlaut ändert nie die Bedeutung, beim Verstehen stört er dich also nie.

WortTeile
das Stadtklimadie Stadt + das Klima
die Arbeitszeitdie Arbeit + s + die Zeit
die Straßenbahndie Straße + n + die Bahn
der Studentenausweisder Student + en + der Ausweis
der Sprachkursdie Sprach(e) + der Kurs

Präfixe: un-, miss-, ver-, zer-, ent-, be-

Ein Präfix ändert die Bedeutung auf eine Weise, die man lernen kann. un- vor einem Adjektiv oder Nomen sagt das Gegenteil: unklar, unbekannt, die Unruhe. miss- sagt, dass etwas schiefgeht: missverstehen, misslingen, das Missverständnis.

Die Präfixe bei Verben sind weniger regelmäßig, aber jedes hat eine typische Bedeutung. zer- macht etwas kaputt, in Stücke: zerbrechen, zerstören. ent- nimmt etwas weg oder lässt etwas beginnen: entsiegeln (den Asphalt vom Boden nehmen), entkalken, entstehen. ver- sagt oft, dass etwas falsch läuft (verschlafen, sich verfahren, verwechseln) oder dass sich etwas ändert (verbessern, vergrößern). be- gibt einem Verb ein Akkusativobjekt: auf eine Frage antworten → eine Frage beantworten. Es macht auch aus Adjektiven Verben: grün → ein Dach begrünen.

Diese Präfixe sind nie trennbar, und ihr Partizip hat kein ge-: ich verstehe, ich habe verstanden. Daran erkennst du sie im Text.

PräfixBedeutungBeispiele
un-Gegenteilunklar, die Unruhe
miss-schiefgegangenmissverstehen, misslingen
zer-in Stückezerbrechen, zerstören
ent-weg; Beginnentsiegeln, entstehen
ver-falsch; Änderungverschlafen, verbessern
be-mit Akkusativobjektbeantworten, begrünen

Adjektive: -bar, -los, -haft, -lich, -ig, -isch

Die Endung eines Adjektivs verrät oft seine Bedeutung. -bar sagt, dass man etwas machen kann: machbar, lesbar (das kennst du aus B2). -los heißt ohne: kostenlos, sprachlos, fehlerlos. -haft heißt wie oder mit: meisterhaft (wie ein Meister), fehlerhaft (mit Fehlern). fehlerlos und fehlerhaft sind also Gegenteile.

-lich und -ig machen beide aus Nomen Adjektive: freundlich, ärgerlich; sonnig, schattig. Bei Wörtern für Zeit bedeuten sie etwas anderes: -ig sagt, wie lange (eine dreistündige Prüfung), -lich sagt, wie oft (Der Bus fährt stündlich).

-isch steht für Herkunft und Fachgebiete (städtisch, ethisch, kritisch). Bei Menschen klingt es oft negativ: kindlich heißt wie ein Kind, im positiven Sinn, kindisch heißt albern und unreif.

EndungBedeutungBeispiele
-barkann gemacht werdenmachbar, lesbar
-losohnekostenlos, fehlerlos
-haftwie, mitmeisterhaft, fehlerhaft
-lichEigenschaft; wie oftfreundlich, stündlich
-igEigenschaft; wie langeschattig, dreistündig
-ischHerkunft, Fach; oft negativstädtisch, kindisch

Nomen, und wie du ein neues Wort zerlegst

Nomen auf -heit, -keit, -ung und -schaft sind immer feminin: die Freiheit, die Machbarkeit, die Begrünung, die Freundschaft. Die ersten drei kennst du aus der B2-Lektion über den Nominalstil. -schaft nennt eine Gruppe oder eine Beziehung: die Leserschaft (alle Leserinnen und Leser), die Nachbarschaft, die Freundschaft.

Jetzt kommt alles zusammen. Wenn du ein langes neues Wort triffst, zerleg es von hinten. die Versiegelung = ver- + Siegel + -ung: Der Boden wird mit Asphalt bedeckt. die Kritikfähigkeit = Kritik + fähig + -keit: Man kann gut mit Kritik umgehen. unverzichtbar = un- + verzichten + -bar: Darauf kann man nicht verzichten.

Meistens liegst du damit richtig. Manche Wörter haben sich aber von ihren Teilen entfernt: bekommen heißt nicht werden, auch wenn es wie das englische become klingt, und die Wirtschaft ist die Ökonomie, aber auch eine Kneipe. Wenn dir die Bedeutung seltsam vorkommt, schau das Wort nach.

Neues WortTeileBedeutung
die Versiegelungver- + Siegel + -ungBoden unter Asphalt
die KritikfähigkeitKritik + fähig + -keitgut mit Kritik umgehen können
unverzichtbarun- + verzichten + -barman kann nicht darauf verzichten
die LeserschaftLeser + -schaftalle Leserinnen und Leser

Füll die Lücken

  1. ___ Stadtklima in Berlin hat sich in den letzten zwanzig Jahren deutlich verändert.

  2. Lotte sucht in der ___ nach Literatur für ihr Exposé.

  3. Beim Umzug ist Ottis alte Vase leider in tausend Stücke ___.

  4. Tut mir leid, das war ein ___: Ich hatte Dienstag statt Donnerstag verstanden.

  5. Kannst du meine Frage zum Liefertermin bitte noch heute ___?

  6. Otti hat morgen eine ___ Prüfung und ist schon ziemlich nervös.

  7. Bruno ist erleichtert: Das Manuskript seines Kochbuchs kam fast ___ aus dem Lektorat zurück.

  8. Emil, hör auf, so ___ zu sein, wir finden doch eine Lösung!

Kommt vor in: Kalle und die Stadtbäume, Emil lernt, mit Kritik umzugehen, Otti und die Feinheiten des Deutschen, Frida und die Smart City, Otti liest über die Psychologie des Lernens, Frau Hilde bringt die Generationen zusammen, Bruno und die Esskultur, Emil und die Geschichte der Berliner Straßen

Nächste Lektion · C1

Wortstellung und Betonung: Was steht vorne?

Du weißt, dass das Verb auf Position zwei steht. Auf C1 entscheidest du, was davor steht, was in der Mitte bleibt und was nach dem Ende der Satzklammer kommen darf. So bestimmst du, was ein Satz betont.