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Grammatik · C1

Register und Stil: erhalten oder kriegen?

Deutsch klingt anders in einer E-Mail an eine Professorin, in einem Vortrag und im Chat mit Freunden. Lerne die Paare, die das Register zeigen (erhalten und kriegen, wegen des und wegen dem, habe und hab), und wähle für jede Situation das Richtige.

Wörter: kriegen, bekommen, erhalten

Viele Alltagsverben haben einen formellen Partner. Unter Freunden kriegt man etwas, neutral bekommt man es, und im Geschäftsbrief erhält man es. Im Chat macht man eine Umfrage, im Bericht führt man sie durch. Weitere Paare: brauchen und benötigen, sagen und mitteilen, kaufen und erwerben, anfangen und beginnen.

Das formelle Wort ist nicht besser, nur distanzierter. Im Chat klingt Ich habe deine Nachricht erhalten wie eine Firma. In einer Bewerbung klingt Ich hab Ihre Mail gekriegt nachlässig.

Die neutrale Mitte passt fast überall: bekommen, beginnen, brauchen. kriegen hebst du dir für Freunde auf, erhalten, benötigen und mitteilen für formelle Briefe und Berichte.

Im AlltagFormell
bekommen / kriegenerhalten
eine Umfrage macheneine Umfrage durchführen
brauchenbenötigen
sagenmitteilen
kaufenerwerben
anfangenbeginnen

Grammatik: wegen des Wetters, es gäbe

Auch die Grammatik zeigt das Register. Aus B2 weißt du: Beim Sprechen steht nach wegen, trotz und statt oft der Dativ: wegen dem Wetter. In einer E-Mail oder einem Aufsatz schreibst du den Genitiv: wegen des Wetters.

Beim Konjunktiv II ist es ähnlich. Beim Sprechen passt würde + Infinitiv zu fast jedem Verb: Ich würde dir helfen. Würdest du mitkommen? Formelles Deutsch benutzt bei ein paar häufigen Verben auch die kurzen Formen: gäbe, käme, ließe, wüsste (hätte, wäre und könnte kennst du aus B1). Gäbe es die Möglichkeit, den Termin zu verschieben? klingt in einem Brief gewandt.

Übertreib es aber nicht. Ich wüsste gern und es gäbe passen überall, seltene Formen wie ich hülfe oder ich empföhle klingen aber selbst geschrieben seltsam. Da sind würde helfen und würde empfehlen die bessere Wahl.

GesprächGeschrieben
wegen dem Wetterwegen des Wetters
trotz dem Stautrotz des Staus
wenn es eine Lösung geben würdewenn es eine Lösung gäbe
Ich würde gern wissen, ob …Ich wüsste gern, ob …

Nomen oder Verben, hab oder habe

Formelles geschriebenes Deutsch mag Nomen (den Nominalstil kennst du aus B2): Nach Abschluss der Befragung erfolgt die Auswertung. Gesprochenes Deutsch sagt dasselbe mit Verben: Wenn die Befragung fertig ist, werten wir sie aus. In einem Vortrag nimmst du Verben, denn wer zuhört, kann einen Satz nicht zweimal lesen.

Beim Sprechen werden Wörter außerdem kürzer. Das e am Ende von Verben fällt weg (ich hab, ich geh, ich mach), es wird zu 's (Wie geht's? Hast du's?), ein, eine und einen werden zu 'n, 'ne und 'nen (Ich hab 'ne Frage), und aus nichts wird nix.

Im Chat mit Freunden kannst du diese kurzen Formen schreiben, zusammen mit Modalpartikeln wie mal und halt. In einer E-Mail an eine Lehrerin, einen Kunden oder eine Professorin schreibst du jedes Wort ganz aus. Nur geht's und gibt's passen auch in neutrale Texte.

GesprochenGeschrieben
ich habich habe
Hast du's? Hast du es?
'nen Termineinen Termin
'ne Frageeine Frage
nixnichts

E-Mail, Vortrag, Chat

Bevor du schreibst oder sprichst, frag dich: Wer hört zu, und wie gut kenne ich die Person? Dann wählst du.

Eine formelle E-Mail (an eine Professorin, einen Kunden, eine Firma) beginnt mit Sehr geehrte Frau … oder Sehr geehrter Herr …, benutzt Sie, volle Formen, den Genitiv und etwas Nominalstil und endet mit Mit freundlichen Grüßen. Eine E-Mail an Kolleginnen und Kollegen kann mit Hallo oder Liebe … beginnen, ist kürzer und endet mit Viele Grüße.

Ein Vortrag liegt dazwischen: Sie und korrekte Grammatik, aber kurze Sätze, Verben statt Nomen und Wegweiser wie Ich komme jetzt zum zweiten Punkt. Ein Chat mit Freunden: du, kurze Formen, Partikeln, keine Anrede nötig.

Der größte Fehler ist nicht, zu locker oder zu formell zu sein, sondern beides zu mischen: Ein Chat im Nominalstil klingt kalt, eine Bewerbung mit hab klingt nachlässig.

SituationAnfang und EndeStil
E-Mail an eine ProfessorinSehr geehrte Frau … / Mit freundlichen GrüßenSie, volle Formen, Genitiv
E-Mail im TeamHallo … / Viele GrüßeSie oder du, kurz und klar
VortragLiebe Gäste … / Vielen Dank fürs ZuhörenSie, kurze Sätze, Verben
Chat mit FreundenHey! / Bis späterdu, kurze Formen, mal, halt

Füll die Lücken

  1. Wegen ___ Unwetters muss die Tagung leider auf nächste Woche verschoben werden.

  2. Wir haben Ihre Unterlagen ___ und melden uns in den nächsten Tagen bei Ihnen.

  3. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit ___ Lotte eine Befragung unter Lehrkräften durch.

  4. ___ es die Möglichkeit, den Termin mit Frau Weber auf Freitag zu verschieben?

  5. Ich ___ ja gern mitkommen, aber ich muss morgen früh raus.

  6. Hast du morgen kurz Zeit? Ich hab ___ Frage zu deinem Referat.

  7. Nach ___ der Daten stelle ich Ihnen im zweiten Teil die Ergebnisse vor.

Kommt vor in: Lotte will promovieren, Emil gründet eine Genossenschaft, Lotte leitet ein Seminar, Otti schreibt ein Arbeitszeugnis, Otti macht die C1-Prüfung

Das war die letzte Lektion für den Moment. Weitere kommen.